Die Geschichte der Knabengesellschaft Beringen

 

Um die Entstehung unserer Gesellschaft ranken sich einige Mythen... und niemand weiss genau wie alt sie ist!


Liebe Leser.

Wir haben diesen Text aus einer ziemlich alten Quelle erhalten und ich habe mir erlaubt, gewisse Bemerkungen aus der heutigen sicht einzufügen. Dabei ist es mir darum gegangen, dass man sowohl einen Überdblich über die Geschichte der Knabengesellschaft erhält, als auch erfährt, wie wir heute funktionieren und leben. Ich wünsche Ihnen viel Spass beim lesen dieses Artikels.

Die Knabengesellschaften der alten Zeit beanspruchten für sich das Recht der Sittenpolizei. Obwohl die bewussten Vereinigungen der Knaben selten geworden sind, leben ihre Gebräuche noch da und dort und werden spontan ausgeübt, wenn sich Gelegenheiten dazu bieten. Statt der Knabenschaften ziehen mancherorts die Vereine den Brautpreis an sich, irgend eine zufällig zusammengekommene Gruppe streut einem missliebigen Brautpaar Güsel (Dreschabfall, Ähren, etc.) auf den Hochzeitsweg. Katzenkonzerte sind auch heute noch manchem jungen Fräulein ein Greuel und eine Schande. Solches Tun ist nichts anderes als altes Recht der Knabenschaften, unbewusst wird es auch ohne sie weiter ausgeübt.


 

Bräuche und Aufgaben

Ausser der Sittenpolizei übernahmen die Gesellschaften der Ledigen noch andere Aufgaben, die von Ort zu Ort unterschiedlich sein konnten. Die Knabengesellschaft von Beringen zeigt, dass die Bräuche und Aufgaben auch Wandlungen unterworfen waren. Die Knabengesellschaft Beringen wird aktenmässig vor 1900 nur andeutungsweise erwähnt, so, wenn in der Abrechnung über die Bächtiligemeinde gesagt wird: "Den jungen Knaben an Wein ushingegeben." Die jungen Knaben waren diejenigen, die noch nicht an der Gemeindeversammlung teilnehmen durften, zu einer Zeit, als man mit 18 Jahren Aktivbürger wurde. Ewald Rahm erwähnt darüber hinaus, dass ab 1905 Protokolle über das Geschehen der Knabengesellschaft Rechenschaft ablegen, dass die Bevölkerung jedoch erklärte, die Knabengesellschaft habe es wohl immer gegeben. Während in ältesten Zeiten vermutlich nur Ortsbürger in diesen verschworenen Verband der Ledigen aufgenommen wurden, sind zu Beginn dieses Jahrhunderts Mitglieder mit fremd klingenden Familiennamen auszumachen, auch solche von Ausländern. Jeder der etwas auf sich hielt, drängte hinzu und nach 1910 finden sich an die 60 Knaben vereint, eine Mitgliederzahl, die in den letzten Jahren nie mehr erreicht wurde. Heute 2002 besteht die Knabengesellschaft aus ca. 25 Aktivmitgliedern und 30 Freimitgliedern. In den Statuten werden die Aufgaben der Knabengesellschaft um die Jahrhundertwende wie folgt umschrieben:

  1. Pflege von Freundschaft und Geselligkeit
  2. Ledig Verstorbenen das letzte Geleit zu geben
  3. Organisation des Höhenfeuers (am 1. August)

Diese Aufgaben haben wir bis zum heutigen Tag beibehalten und evtl. noch ergänzt. Zum Punkt zwei gibt es zu sagen, dass wir in den letzten Jahren nie mehr diese traurige Pflicht übernehmen mussten. Dies war jedoch zu unser Grossväters Zeit noch anders, als Verstorbene noch daheim aufgebahrt waren und erst am Tage des Begräbnisses auf den Friedhof gebracht wurden. Bei zahlreichen Kränzen, die den Sarg deckten, bedeutete dies für die Knaben eine recht mühsame Pflicht, mussten sie doch den Sarg manchmal über lange Distanzen durch das ganze Dorf zur Kirche tragen. Für diesen Dienst wurden jeweils 8 bis 12 Knaben aufgeboten, die jeweils weisse Handschuhe trugen.

Höhenfeuer

Nun zu einem erfreulicheren Ereignis: Die Organisation des Freudenfeuers am 1. August anlässlich des Nationalfeiertages. Diese Arbeit wurde offiziell im Jahre 1927 verbrieft. Das einsammeln des Brennholzes ist immer mit einem feuchtfröhlichen Fest verbunden. Natürlich erst, wenn die harte Arbeit getan ist und das Augustfeuer in seiner vollen Grösse auf dem Robinsonspielplatz aufgeschichtet ist. Darum lautet unsere Devise auch "Holz oder Most", wenn wir jeweils mit den Traktoren durchs Dorf fahren und das bereitgestellte Holz einsammeln. Es war sicher schon mancher froh, dass er so gratis (ohne Abfallgebühr) seine Balken und andere Holzlatten los wurde. Das Aufschichten das Holzes erfordert auch einer Planung, müssen doch die erforderlichen "Züge" so angeordnet werden, damit das Feuer auch um sich greifen kann.

Böllern

Das Böllern ist eine der Spezialitäten der Knabengesellschaft. Diese wird am 1. August oder zur Hochzeit eines Knaben ausgeübt. Der Böllerwart, der aktiv auch einem Schützenverein angehören muss übt ein verantwortliches Amt aus. Die alten Böller, die noch aus Bohnerz gegossen worden sind, haben sich bei einer Prüfung als gefährlich erwiesen, da sie mit Haarrissen durchsetzt waren. Sie sind daher heute im Ortsmuseum zu bewundern. Um den Jahreswechsel 1969/ '70 wurden die Anschaffung der neuen fünf Böller aus strangepresster Wotan - Bronze genehmigt. In der +GF+ - Lehrdreherei wurden die Böller anschliessend Mitte 1970 durch ein ehmaliges Mitglied in Form gebracht und an die Knabengesellschaft übergeben. Da die Böllerschützen harte Arbeit leisten müssen (Schwarzpulver einfüllen, die Öffnung mit trockenem Zeitungspapier, etwas Gras und Most (Wein) gut verschliessen, etc.) wurden ihnen früher sechs Liter Wein zugeteilt.

"Freiwilliges" Brautgeld

Ordenlicherweise versammelt sich die Knabengesellschaft am Chilbisamstag zur Chilbiversammlung. Nur wenige Male ist sie ausgefallen, als während des Krieges Militär einquartiert war. Die bescheidenen Mitgliederbeiträge reichen nicht aus zur Deckung der verschiedensten Aufwendungen, so dass das (gesetzlich verbotene) Brautgeld eingefordert wird. Heiratet ein Auswärtiger Bräutigam eine Frau aus Beringen, wird er mit einem Bettelbrief beehrt. Die Fr. 20.--, später Fr. 50.-- wurden in der Regel komentarlos entrichtet. Wenn nicht, wird heute sicher niemand mehr in den Dorfbrunnen getaucht. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass ein Bräutigam unwirsch auf einen doch artigen Bettelbrief geantwortet hat: "Da könnte auch der Veloklub zur frommen Speiche von Lampenberg seine Ansprüche anmelden!" Der Aktuar, der sich alle Mühe gegeben hatte war recht verwirrt und verdattert, musste sich aber mit dem Bescheid abfinden. Ein andermal, als ein unerwartet hoher Brauterlös eintraf, erwähnte der Präsident der Gesellschaft an der nächsten Chilbiversammlung, diesen jungen Ehemann werde er nicht mehr auslachen, wenn er ihm je wieder begegnen sollte.

Waldfest

Seit mehreren Jahren veranstalten wir alljährlich im Sommer ein Waldfest. Der Ort des Geschehens ist der Robinsonspielplatz, wo auch jeweils das Höhenfeuer entfacht wird. Der Grund für das Waldfest ist selbstverständlich leicht zu ermitteln, denn ein solches Fest ist wiedereinmal ein guter Grund, eine laue Sommernacht unter freiem Himmel mit guten Freunden zu verbringen. Wenn es uns jeweils gelingt auch genügend Leute für unser Fest zu animieren, dann kann sogar auch noch ein kleiner Gewinn rausspringen, der unsere geschwächte Vereinskasse ein bisschen aufpoliert.

Chilbiversammlung

Nach aussen am spektakulärsten treten wir jeweils an der Chilbi in Erscheinung. Mit unserer Schnitzelbank ziehen wir dann von Beiz zu Beiz und tragen unsere Verse vor. Dabei nehmen wir jeweils die Leute vom Dorf auf den Arm, denen im letzten Jahr ein Missgeschick passiert ist. Für uns Knaben bedeutet das, dass wir bis am nächsten Morgen beinahe keinen Ton aus unserer ausgetrockneten Kehle mehr bringen. Dafür dreht es den meisten Knaben ziemlich stark im Kopf, da wir immer wieder spendierte Runden vernichten müssen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass man jeweils am Montag darauf nicht zur Arbeit erscheint, da einem der Chef sowieso zu nichts gebrauchen könnte!

Zylinder, Frack und Stöckli

An der Chilbi und zu anderen offiziellen Anlässen erscheinen wir jeweils in Frack und Zylinder, mit grosser Fliege (Propeller) und einem Stock in der Hand. Diese Fräcke stammen teilweise aus den Jahren 1920 bis 30, wurden also schon von unseren Vätern und evtl. sogar von den Grossvätern getragen. Wir sind natürlich immer wieder froh, wenn wir von irgendjemandem noch so ein gutes Stück geschenkt bekommen. Darum, wenn Sie noch einen alten, schwarzen Frack haben, für den Sie keine Verwendung mehr haben, dann kontakrieren Sie bitte die Knabengesellschaft Beringen, bevor Sie dieses gute Stück dem Tex - Aid geben.

Um in die Knabengesellschaft aufgenommen zu werden, muss man allerdings ein paar Bedingungen erfüllen:

  1. Guter Leumund
  2. In Beringen wohnhaft
  3. Nicht verheiratet und mindestens 16 Jahre als sein

Danach kann man an einer der Versammlungen sein Begehren auf Aufnahme in unseren Verein stellen. Jetzt muss noch von der Versammlung abgestummen werden, ob man den Antragsteller auch in den Verein aufnehmen will. Ist dies der Fall, so muss der Neuling eine Flasche "exen", dies in möglichst kurzer Zeit und ohne abzusetzen. Bis jetzt ist daran allerdings noch niemand gescheitert.


Es gäbe an dieser Stelle sicher noch viel zu ergänzen, aber ich glaube, dass wir Ihnen mit diesem geschichtlichen Überblick eine gute Übersicht über unser Vereinsleben gegeben haben.

 

bäck